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AUTHENTICITY IS MAGNETIC

>> Für meine ersten drei Postkarten habe ich mir genau drei Sätze ausgesucht. Sätze, die mir viel bedeuten, weil sie einfach, kurz und knapp sind, aber dennoch eine Menge  aussagen. Den Anfang macht dieser hier: <<

Die Geschichte zu dieser Karte beginnt an einem Tag, an dem ich zu faul war jemand anderes zu sein als ich selbst. Es ist nämlich ziemlich anstrengend, wenn man stets darauf bedacht ist, der richtige Mensch zu sein – für andere versteht sich. Der Mensch, den andere in einem sehen wollen, der Mensch, an den gewisse Erwartungen geknüpft werden, der Mensch, der immer perfekt funktionieren muss.

Irgendwann war ich zu müde mich selbst hinter diesem Menschen zu verstecken. Im Laufe des Erwachsenwerdens lehrt uns das Leben, wer wir sein sollen und wer eben nicht. Doch was, wenn man diese Person innerlich gar nicht ist? Naja, dann platzt man irgendwann. Ja, schlicht und einfach platzt man irgendwann. Entweder nach außen, dann bekommen es auch die in der letzten Reihe mit oder eben nach innen. Dann fällt man in das tiefste Loch der Welt, kommt nicht wieder heraus und kein Mensch versteht es. Was ist denn los? Gute Frage! Eine, die man nicht einmal mehr selbst beantworten kann. Schließlich kennt man sich in seinem eigenen Inneren schon lange gar nicht mehr aus.

Und an dieser Stelle denke ich immer an ein Mädchen, das ich kenne: Sie trägt glitzernde Leggings in knallroten Gummistiefeln, dazu einen hellgrünen Rock und einen gelben Wollpulli mit Wolfsmotiv – es ist ihr Lieblingsoutfit und wenn sie es trägt, dann singt sie giggelnd selbstausgedachte Lieder. Sie schert sich kein bisschen darum, was andere von ihr halten, sie fühlt sich wohl und ist einfach wie sie ist: fröhlich und vielleicht ein kleines bisschen verrückt.

Gut verrückt, befreiend verrückt, ansteckend verrückt.

Ich beneide sie, weil sie so viel Mut besitzt sie selbst zu sein. Freilich ist sie noch ein unbedarftes Kind, aber dennoch ist sie ein so viel besseres Vorbild als so manch Erwachsener. Ich wünsche ihr aus tiefstem Herzen, dass sie stark genug bleibt und sich von niemandem einen Stempel ausdrücken lässt. Sie ist etwas Besonderes und das sollte man ihr nicht wegnehmen.

Begegne ich heute einem Menschen, der das ausspricht, was ich mich nur zu denken traue, der das trägt, was ihm gefällt, selbst, wenn er weiß, dass die Leute über ihn reden, der Emotionen hat und einem ein kleines bisschen von seiner Seele zeigt – tja, dann bin ich einfach verzückt! Authentisch zu sein ist nämlich gar nicht einfach, nein, im Gegenteil, es ist manchmal verdammt hart! Es erfordert sehr viel Mut und ein dickes Fell. Doch ist es so wichtig. Es wird immer jemanden geben, der einen nicht mag. Aber wenn er einen schon nicht mag, dann doch bitte für das, was man wirklich ist und nicht für das, was man nur vorgibt zu sein. Denn auch nur dann können doch die anderen einen für genau das lieben, was man im Inneren ist, oder nicht?


Comments(2)

  • Yvonne Süßen
    11. Juli 2016, 13:27  Antworten

    Ich bin zur Zeit noch viel schlimmer als sonst am Wasser gebaut. Das du es geschafft hast, dass ich selbst dabei weinen muss, deinen Text zu lesen.

    • 11. Juli 2016, 13:44

      Oh, Üüüüüü! Es rührt mich, dass du gerührt bist, aber spar deine Tränen mal lieber fürs Wochenende! Du weißt doch: Tränen sind schön, wenn man sie lacht! Ich freu mich!! :)))

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